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Geschenke aus der Natur

Datum:
Veröffentlicht: 22.9.21
Von:
Christian Scherfenberg
6 Jugendleiter*innen bilden sich rund um das Thema "Natur erleben" in Teuschnitz fort.

Wie bringt man Kindern und Jugendlichen auf spannende Art den Wert der Natur nahe? Mit dieser Frage beschäftigten sich sechs Jugendleiterinnen und Jugendleiter am vergangenen Wochenende im und um das Jugendbildungshaus „Am Knock“. Geleitet wurde die Maßnahme von Christian Scherfenberg, pädagogischer Mitarbeiter am Knock und Referent der KLJB Bamberg. Viel praktisches Arbeiten im Frankenwald stand auf dem Programm, um das zu entdecken, was die Natur uns schenkt.

Los ging es am Freitagabend mit dem Film „Das geheime Leben der Bäume“, der sich um die Arbeit  des Försters Peter Wohlleben und die Zukunft des Waldes dreht. Hier konnten die Leiterinnen und Leiter theoretischen Input mitnehmen, der sich in den folgenden Tagen am konkreten Beispiel wiederfinden würde. Anschließend diskutierte die Gruppe wie sich der Film in der Kinder- und Jugendarbeit einsetzen lässt.

„Zurück zu den Ursprüngen“ hieß es aber am späten Freitagabend. Mit Zunderschwamm, Kienspan und Feuerbohrer gewappnet, versuchten die sechs jungen Leute ein Feuer zu entfachen. Die Erkenntnis des Abends: Eine gute Vorbereitung ist wichtig und körperliche Fitness hilft auch, wenn man auf die Annehmlichkeiten der modernen Gesellschaft verzichtet. Entspannung in Wohlfühlatmosphäre entlohnte danach für die Mühen des Anzündens. Zum Glück spielte auch das Wetter mit.

Der Samstagvormittag stand ganz im Zeichen des Themas Wasser. Bei einer Bachexkursion bestimmte die Gruppe Kleinstlebewesen und chemische Eigenschaften der Dober. Untersucht wurde an zwei Stellen; einmal vor dem Eintrag der Kläranlage Effelter, einmal danach. Je nachdem welche Tierarten hier leben, kann man Rückschlüsse darauf ziehen, wie gut es dem Bach geht. Mit Becherlupe und Bestimmungskarten ging es auf die Suche nach Eintagsfliegenlarven, Egeln und Strudelwürmern. Die Gruppe entnahm Wasserproben und bestimmte den pH-Wert, sowie Nitrit- und Nitratgehalt des Wassers. „Wasser ist für Mensch und Tier eine entscheidende Ressource. Deswegen ist es auch so wichtig schon Kindern den Wert des Wassers zu vermitteln. Eine Bachexkursion, ist eine spannende und leicht umsetzbare Möglichkeit auch schon jüngeren Menschen für Gewässerschutz zu begeistern“ – so Christian Scherfenberg. Am Ende der Untersuchung stand fest: Die Dober ist in gutem Zustand.

Viele von uns kennen Landwirtschaft nur noch aus dem Fernsehen und Lebensmittel fertig abgepackt im Supermarkt. Welcher Aufwand im Anbau und der Ernte steckt, wissen die wenigsten. Auch aus dieser Gruppe stammt niemand aus einer Landwirtschaftsfamilie. Umso spannender war es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, auf dem Kartoffelacker von Familie Zipfel aus Wickendorf, für einen Nachmittag zu Erntehelfern zu werden. Beim anschließenden Kartoffelfeuer ließen sich alle die frisch gegrabenen Knollen schmecken.

Am Samstagabend ging es um den Blick in den Sternenhimmel. Für die meisten ist er durch die fortschreitende Lichtverschmutzung schon jetzt nur noch mit großen Einschränkungen zu sehen. Umso besser, dass das Jugendbildungshaus „Am Knock“ in einer relativ lichtarmen Umgebung liegt. Auch wenn der Himmel etwas bewölkt war, konnten alle zumindest einen kurzen Blick auf ihr eigenes Sternbild erhaschen. Auch die beiden Gasriesen unseres Sonnensystems wurden von der Gruppe beobachtet. Die Überraschung war groß, als sie bereits durch ein Fernglas die großen Monde Jupiters entdecken konnten.

Der Sonntag begann mit einem Impuls über die Auswirkungen des menschlichen Handelns auf die Umwelt. Ein 50 Meter langes Kletterseil stellte die Zeit der Entstehungsgeschichte der Erde dar. Verschiedene Stationen des Erdzeitalters, wie das Aufkommen und Verschwinden der Dinosaurier oder Christi Geburt wurden entlang des Seils durch Bilder dargestellt. Erst auf dem letzten Millimeter tritt der Mensch in Erscheinung. Die Gruppe zeigte sich tief beeindruckt von den zeitlichen Verhältnissen und dem Einfluss, den der Mensch und sein Handeln innerhalb kurzer Zeit auf die Umwelt hat.

Eigentlich als Pilzexkursion angelegt, entwickelte sich die Wanderung am Sonntagvormittag zur vollumfängliche Waldführung. Michael Vogel, Pilzsachverständiger aus Sonneberg, begleitete die Gruppe zweieinhalb Stunden durch den umliegenden Forst. Schnell ließen sich die Jugendleiterinnen und Jugendleiter von Michael Vogels Begeisterung anstecken. Die Gruppe entdeckte viele Pilze, die sich auf den ersten Blick gar nicht als solche erkennen lassen. Noch wenig erforscht ist das sogenannte „Wood Wide Web“ – sicher ist aber, dass Pilze bei der Kommunikation von Bäumen untereinander eine große Rolle spielen. Der Klimawandel und vor allem die letzten zwei dürren Sommer wurden während der Führung immer wieder thematisiert. Pilze spielen beim Verwerten der abgestorbenen Bäume eine große Rolle. Wenn allerdings die Fichte in den nächsten Jahrzehnten an wirtschaftlicher Bedeutung verliert, wird wohl auch der noch häufige Maronenröhrling zur Rarität werden.

Die Teilnehmerinnen waren vor allem davon begeistert so viel in der Natur zu sein und fast ausschließlich konkret zu arbeiten. Sie freuen sich schon darauf, das erlernte Wissen in der Kinder- und Jugendarbeit weitergeben zu können. Auch die neue Leitung des Jugendbildungshaus‘, Kathrin Ritter, ist sich sicher: „Ganz im Sinne des Patrons unseres Hauses, Franz von Assisi, haben wir uns der Bewahrung der Schöpfung verschrieben. Der Knock bietet Kindern und jungen Erwachsenen gleichermaßen einen Raum die Natur zu erkunden und wertschätzen zu lernen.“